BrustkrebswissenFrüherkennung & Diagnose

Anti-HER2-Therapie – wenn Antikörper und Signalhemmer dazwischenfunken

Die Antikörpertherapie mit Trastuzumab wirkt auf das HER2-Eiweiß, das sich als Empfangsantenne (Rezeptor) auf der Oberfläche der Krebszellen befindet und ihr Wachstum anfeuert. Bei etwa 20 Prozent der Brustkrebspatientinnen kommt das Protein vermehrt vor – bei einer solchen HER2-Überexpression kann zunächst eine Antikörpertherapie mit Trastuzumab greifen. Sie wird sowohl bei Patientinnen im frühen Erkrankungsstadium als auch bei metastasiertem Brustkrebs eingesetzt. Schreitet der Krebs trotz dieser sehr gezielten und spezifischen Behandlung weiter voran, können andere gegen die HER2-Rezeptoren gerichtete Behandlungsmöglichkeiten – wie die bereits erwähnten Signalhemmer – zum Einsatz kommen. Dazu gehört der Wirkstoff Lapatinib, das zu den sogenannten kleinen Molekülen („small molecules“) zählt. Im Unterschied zu Trastuzumab besetzt dieser den HER2-Rezeptor nicht von außen, sondern blockiert ihn im Inneren. Und er tut das nicht nur an der HER2-Antenne, sondern auch an der seines Familienmitglieds HER1 (auch EGF-Rezeptor genannt).

Trastuzumab: der Antikörper, der unter die Haut geht

Bereits seit vielen Jahren lässt sich die Prognose von Frauen mit einem HER2-positiven Brustkrebs durch die Gabe des Antikörpers Trastuzumab, auch unter dem Handelsnamen Herceptin bekannt, oder durch Lapatinib (Tyverb®) deutlich verbessern. Nun kommt eine neue subkutane Anwendungsform von Trastuzumab, die künftig den Einsatz des Medikaments erleichtern könnte.

Die mittlere Dauer der Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab beträgt - so Professor Christian Jackisch, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Offenbach – im Leben einer HER2-positiven Brustkrebspatientin acht bis zehn Jahre.

Um die Anwendung eines der erfolgreichsten Krebsmedikamente in der Geschichte der Tumortherapie zu erleichtern, wurde eine Formulierung entwickelt, die „unter die Haut geht“ und voraussichtlich ab Februar 2013 zur Verfügung stehen wird. Sie ermöglicht eine einfachere und schnellere Gabe des Antikörpers ohne Infusion und ohne Port-Katheter.

Erste Daten der randomisierten, offenen Phase-III-Studie mit dem Namen HannaH konnten zeigen, dass die subkutane Anwendungsform ebenso wirksam und sicher ist wie die intravenöse Therapie.

596 Patientinnen hatten Trastuzumab neoadjuvant zusätzlich zur Chemotherapie und nach der Operation als Einzelwirkstoff entweder subkutan oder intravenös erhalten. Die beiden Behandlungsformen, i.v. und s.c., zeigten sich als gleichwertig: Die Konzentrationen des Medikaments im Blut waren nach einer Applikation unter der Haut (im Oberschenkel) sogar geringfügig höher wie nach einer intravenösen Gabe und die Anzahl an histopathologischen Komplettremissionen, pCR genannt, zum Zeitpunkt der Operation vergleichbar. Unter pCR versteht man die komplette Elimination sämtlicher Tumorzellen.

Der nächste Schritt im Umgang mit der subkutanen Anwendungsform von Trastuzumab wird langfristig die Selbstapplikation durch die Patientin sein – eine Tatsache, die rund 24.000 Frauen mit Brustkrebs in Deutschland erlauben wird, die ihnen verbleibende Zeit intensiver und unabhängiger vom Sitzen und Warten in der Arztpraxis zu nutzen.