BrustkrebswissenNachsorge

Nach der Therapie

Sie haben es geschafft. Sie sind aus der Therapie entlassen - doch was bleibt, ist die Angst vor einem Rückfall. Und mit dieser fühlt man sich entlassen - allein gelassen. Als „Hineinfallen in das therapeutische Loch“ bezeichnen Psycho-Onkologen die Leere nach Abschluss einer Krebsbehandlung.

Auch viele Jahre nach der Behandlung ist die Seele noch in Aufruhr: In einer Studie am Institut für Psychosomatik der Universität Köln zu den seelischen Auswirkungen einer Krebsbehandlung leiden mehr als die Hälfte aller befragten Krebspatienten noch zehn Jahre nach Chemotherapie und Bestrahlung unter Angsterkrankungen oder einer Depression.

Die Nachbetreuung der Seele ist ebenso wichtig wie die medizinische Nachversorgung.

Weitere Informationen finden Sie unter Psychoonkologie.

Die Zeit der Nachsorge dauert fast ein Leben lang

Brustkrebs gehört zu den chronischen Erkrankungen, die auch nach zwölf, ja sogar 24 Jahren wieder an derselben oder an einer anderen Stelle ausbrechen können. 60 Prozent der Rückfälle von Frauen mit einem hormonsensiblen Brustkrebs ereignen sich erst nach fünf Jahren.

Deshalb ist die vom Versorgungsamt festgesetzte »Heilungsbewährung« nach fünf Jahren graue Amtsstubentheorie.

Ärzte, klinische Forscher und die Vertreter von Gesundheitspolitik und Krankenkassen sowie Patientinnen haben unterschiedliche Auffassungen davon, wie eine gute und zugleich wirksame Nachbetreuung einer Brustkrebserkrankung aussehen soll.

Während es uns Patientinnen in erster Linie ums nackte Überleben geht, müssen Fachleute am grünen Tisch für die Krebsnachsorge auch Kosten-Nutzen-Analysen aufstellen. Das Nachsorgekonzept wurde daher 1995 geändert. Das zuvor mit höherem technischen Aufwand betriebene Untersuchungsprogramm wurde auf jährliche Mammographien und Nachsorgegesprächen beim Arzt reduziert, lediglich das Auftreten von Beschwerden führt zu diagnostischer Abklärung.

Begründung: Der Einsatz von den damals verfügbaren bildgebenden Untersuchungen (Ultraschall des Oberbauchs, Skelettszintigraphie und Röntgen-Thorax) und einigen Blutuntersuchungen (ausser Tumormarker, die in den beiden Studien nicht untersucht wurden) im Rahmen der Nachsorge innerhalb der ersten 5 Jahre der Nachsorge habe Patientinnen mit Brustkrebs keine längere Überlebenszeit gebracht. Das zeigten zwei italienische Einzelstudien aus den Jahren 1994 und eine neue Auswertung nach zehn Jahren in 1999. Eine neue randomisierte Nachsorge-Studie ist seither nicht mehr durchgeführt worden – d.h. die Ergebnisse von vor mittlerweile 24 Jahren gelten bis heute als Grundlage zur Abfassung der internationalen Nachsorge-Leitlinien.

Und dies in Zeiten des medizinisch-technischen Fortschritts? Dringend sollte überprüft werden, ob sich eine frühzeitige Entdeckung neuer Krebsschauplätze nicht doch in Lebenszeit niederschlägt. Neue bzw. neu untersuchte und bewertete diagnostische sowie chirurgische Techniken und neue Behandlungsoptionen bieten neue Chancen.

Deshalb haben Ursula Goldmann-Posch und Dr. Petra Stieber die patienten orientierte Nachsorge-Stiftung (PONS-Stiftung) gegründet, mit dem Ziel, eine neue Nachsorge-Studie zu designen und zu initiieren.

Aktuelle Nachsorgerichtlinien

2017 ist die „Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ neu herausgekommen. 

Aktuelle Fassung der S3-Leitlinien zu Brustkrebs

www.senologie.org/leitlinien.php

Frauen mit Brustkrebs sollten sich in der Zeit der Nachsorge vor allem selbst sorgfältig beobachten und abtasten sowie regelmäßig bei ihrem Arzt im Rahmen der normalen Früherkennungsuntersuchung vorstellig werden: in den ersten beiden Jahren nach der Behandlung alle drei Monate, bis zum Erreichen der Fünf-Jahresgrenze alle sechs Monate, vom fünften Jahr bis zum zehnten Jahr nach der Erstbehandlung einmal pro Jahr. 

Auch nach 22 Jahren sind die Nachsorgerichtlinien unwesentlich verändert, erst bei Auftreten von Beschwerden sollen weitere Untersuchungen zur Entdeckung eventuell aufgetretener Metastasen durchgeführt werden.

Aktuelle Fassung der AGO-Leitlinien zu Brustkrebs

Auch die Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie hat Anfang 2018 eine aktuelle Fassung der Nachsorgeempfehlung herausgebracht.

Zur AGO-Leitlinie

Übersicht Brustkrebs Nachsorge AGO

Routine-Nachsorgeuntersuchungen bei asymptomatischen Patientinnen

Untersuchungen Oxford LoE Oxford GR AGO
Anamnese (spezifische Symptome) 1a A ++
Untersuchung 1a B ++
Brust-Selbst-Untersuchung 5 D +
Mammographie 1a A ++
Mammasonographie 2a B ++
Mamma-MR in der Routine* 3a B +/-
Mamma-MR bei unklarer Mammographie / -sonographie 3b B +
Gynäkologische Untersuchung 5 D ++
DXA-Scan zu Therapiebeginn und risikoadaptiert in regelmäßigen Abständen bei Frauen mit frühzeitiger Menopause und Frauen unter AI-Therapie 5 D +
Routinelabor (inkl. Tumormarker) 1a A -
Lebersonographie 1a A -
Skelettszintigraphie 1a A -
Thorax-Röntgen 1a A -
CT-Untersuchungen (Thorax, Abdomen und Becken) 2a D -
Detektion isolierter / zirkulierender Tumorzellen 2a D -
PET-CT 2b B -
Ganzkörper-MRT 2b B -

*Bei erhöhtem Risiko erwägen (Alter unter 50 J., HR-, Beurteilbarkeit in MG+US C/D)

Brustkrebs Nachsorge Synopsis

Empfehlung für asymptomatische Patientinnen
(mod. nach ASCO-ACS Empfehlungen 2016, NCCN 3.2017 und S3-Leitlinie 2017)

Nachsorge/Follow-Up* Nachsorge/Follow-Up* Screening/ Follow-up
Jahre nach Primärtherapie < 3 4-5 > 5
Anamnese, klinische Untersuchung, Beratung inv.: alle 3 Mon. inv.: alle 6 Mon. inv.: alle 12 Mon.
Selbstuntersuchung monatlich monatlich monatlich
Bildgebende Diagnostik, Laboruntersuchungen indiziert nur bei Symptomatik +/- Befunden +/- Verdacht auf Rezidiv/Metastasen indiziert nur bei Symptomatik +/- Befunden +/- Verdacht auf Rezidiv/Metastasen indiziert nur bei Symptomatik +/- Befunden +/- Verdacht auf Rezidiv/Metastasen
Mammographie und ergänzend Sono-graphie
BET**
ipsilat.: alle 12 Mon. kontralat.: alle 12 Mon. beidseits: alle 12 Monate beidseits: alle 12 Monate
Mammographie und ergänzend Sono-graphie
Mastektomie
kontralateral alle 12 Monate kontralateral alle 12 Monate kontralateral alle 12 Monate

*   Fortlaufende “Nachsorgeuntersuchungen” bei noch laufender adjuvanter Therapie
** nach BET: Erste Mammographie 1 Jahr nach initialer Mammographie, oder zumindest 6 Monate nach abgeschlossener Radiatio