BrustkrebswissenRückfall

Metastasen – innovative Optionen zur Entfernung

Diesen Text haben wir der 5. Auflage des „Überlebensbuch Brustkrebs“, Ursula Goldmann-Posch / Rita Rosa Martin, Schattauer Verlag Stuttgart, entnommen:

Laserinduzierte Interstitielle Thermotherapie (LITT)

  • lokales, minimalinvasives Verfahren
  • gezielt werden einzelne Metastasen, etwa in der Leber oder Lunge, überhitzt und verschmort

Mit Hilfe bildgebender Verfahren wie dem MRT spürt der Arzt die sichersten Zugangswege zum befallenen Organ auf und schleust Lasersonden in den Krebsherd ein. Die Laserenergie lässt die bösartigen Zellen in wenigen Minuten »auseinanderbrechen«. Für diese Methode dürfen maximal 5 Metastasen mit einem maximalen Durchmesser von 50 Millimeter vorliegen. Entwickler der LITT ist der Radiologe Prof. Thomas Vogel aus Frankfurt. Das Verfahren wird heute auch an anderen spezialisierten Zentren angewandt.

Der Link zu LITT

Interstitielle Photodynamische Lasertherapie (PDT)

  • Photosensibilisierung von Haut und Gewebe: durch einen Wirkstoff wird die Lichtempfindlichkeit erhöht (ähnlich wie bei Johanniskraut)
  • Nach einer Pause von rund 24 bis 120 Stunden wird durch verschiedene endoskopische Instrumente ein spezieller Laser-Lichtstrahl (Dioden-Laser) in die Metastase eingebracht, das Licht aktiviert den vorher verabreichten Wirkstoff im Tumor. Als Folge bilden sich hochgiftige Sauerstoffradikale, das »ans Licht gebrachte« Tumorgewebe stirbt ab.
  • bis auf das Einführen des Katheters für den Lichtstrahl weitgehend schmerzfrei (keine Hitzebildung)
  • ohne Nebenwirkungen
  • Nachteil: vorübergehende komplette Lichtempfindlichkeit des Patienten

Der Link zu PDT

Dioden-Laserchirurgie

  • Lasertyp (Diodenlaser) mit einem Wellenbereich von 1318 Nanometern, der mit einem sehr intensiven Laserlicht arbeitet
  • eignet sich besonders für Eingriffe an der Lunge
  • schneidet Lungenmetastasen haarscharf heraus, schont das umgebende Gewebe
  • können die Lungenmetastasen komplett entfernt werden, liegen die 5-Jahres-Überlebensraten bei 40 bis 50 Prozent

Diese Technik wird beispielsweise in den Abteilungen für Thoraxchirurgie der Universitätskliniken Regensburg und Freiburg, in der Klinik für Thoraxchirurgie des Diakoniekrankenhauses Rotenburg (Wümme) und im Fachkrankenhaus Coswig praktiziert. Entwickelt wurde diese Lasertechnik von Professor Axel Rolle (Fachkrankenhaus Coswig).

Der Link zur Laserchirurgie: Detaillierte Informationen dazu finden Sie in einer Präsentation des Experten Prof. Axel Rolle aus Coswig.

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Radiofrequenz-Ablation (RFA)

  • minimalinvasive Behandlungsmethode
  • findet auch bei Lungenmetastasen Anwendung, die durch Brust- oder Darmkrebs verursacht wurden

Eine spezielle Nadel wird unter Kontrolle des Computertomographen in die Krebsabsiedlung eingebracht. Diese Nadel wird durch Radiowellen erhitzt und kann so das umgebende Tumorgewebe zerstören. Die Anwendung dieser Behandlung ist von der Tumorgröße abhängig. Zu große (über 4 Millimeter), aber auch zu kleine Tochtergeschwülste können nicht behandelt werden. Ähnlich funktioniert die Mikrowellenablation (MWA) und die Kryoablation (Vereisung von Lebermetastasen).

Der Link zu RFA

Selektive Interne Radiotherapie (SIRT)

  • gezielte nuklearmedizinische Behandlung
  • ausschließlich auf Lebertumoren oder Lebermetastasen begrenzt
  • der gesamte Eingriff dauert – ohne Vorbereitungszeit – 90 Minuten

Millionen winziger, radioaktiver Kügelchen werden durch die Leberarterie zu den bösartigen Krebsherden gebracht. Diese Kügelchen enthalten das radioaktive Element Yttrium-90, das über eine relativ kurze Entfernung von 2,4 Millimetern strahlt und etwa zweieinhalb Tage strahlungsaktiv bleibt. Da die SIRT-Kügelchen direkt in die Metastasen eingebracht werden, kann lokal eine höhere Strahlendosis verwendet werden als bei der klassischen Strahlentherapie »von außen«.

Der Link zu SIRT

Weitere Informationen zur Selektiven Internen Radiotherapie.

Trans-Arterielle perkutane Chemo-Embolisation (TACE)

Die Chemo-Embolisation ist ein

  • örtliches Behandlungsverfahren
  • zwei Methoden werden miteinander kombiniert
  • wird 2- bis 3-mal im Abstand von jeweils vier Wochen durchgeführt
  • kann auch in Verbindung mit anderen Therapieverfahren angewendet werden

Kombination aus Embolisation (künstlich herbeigeführte »Verstopfung« von Blutgefäßen) und einer regionalen Chemotherapie. Gesundes Lebergewebe wird nur zu 20 Prozent vom arteriellen Blutstrom versorgt. Lebermetastasen »ernähren« sich hingegen bis zu 95 Prozent über die Leberarterie. Diese Tatsache macht sich TACE zunutze. Mit Hilfe eines Katheters wird zunächst eine hohe Dosis von Zellgiften an die Tochtergeschwülste in der Leber herangeschwemmt und dann die Leberarterie verschlossen. Da die nötigen Nährstoffe und der Sauerstoff nun ausbleiben, sterben die Krebszellen in diesem Bereich ab. Zusätzlich werden die Krebszellen nun mit einer bis zu 100-fach höheren Konzentration von Zellgiften als bei einer systemischen Chemotherapie üblich konfrontiert. Auch das fördert ihr Absterben. Das normale Lebergewebe hingegen bleibt von der Chemotherapie unbehelligt.

Der Link zu TACE

Transarterielle Chemoperfusion (TACP)

  • lokale Therapie
  • mittels Katheter wird ein chemotherapeutischer Wirkstoff in den Ort der Metastase eingebracht (Leber, Lunge oder Becken)
  • wird 2- bis 3-mal im Abstand von jeweils vier Wochen angewendet
  • kann auch in Verbindung mit anderen Therapieverfahren angewendet werden

Eine »Verstopfung« von Blutgefäßen, wie bei der Embolisation, entfällt.

Der Link zu TACP

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Perkutane Vertebroplastie (PV)

  • Verfahren der interventionellen Radiologie im Schulterschluss mit der onkologischen Orthopädie
  • Der Eingriff dauert 50 bis 60 Minuten

Bruchgefährdete Wirbelsäulenmetastasen werden mit Hilfe von Knochenzement stabilisiert. Durch diese neue Behandlungsmethode kann zudem auch eine deutliche Verringerung von Knochenschmerzen erreicht werden. Unter computertomographischer Kontrolle und örtlicher Betäubung wird die Knochenmetastase zunächst punktiert. Über diese rund 4 mm dicke Nadel wird flüssiger Knochenzement in den gefährdeten Bereich eingebracht. Der Zement härtet nach kurzer Zeit aus und verleiht dem Skelett neuen Halt.

Der Link zu PV

Kyphoplastie

  • Variante der perkutanen Vertebroplastie

Hier wird vor dem Einbringen von Knochenzement ein Ballon in den gebrochenen oder vom Brechen bedrohten Wirbelkörper eingesetzt und aufgepumpt. Dadurch soll versucht werden, den verformten Wirbelkörper wieder ins Lot zu bringen. Neu ist die Kombination von Kyphoplastie mit der vorgeschalteten Verschmorung von Wirbelkörpermetastasen mit Hilfe der Radiofrequenz-Ablation (RFA). Dadurch können Metastasen gleichzeitig behandelt und die Wirbelkörper mit der knochenschonenden Kyphoplastie wieder stabilisiert werden. Die Gesamtbehandlung dauert etwa 60 Minuten.

Der Link zu Kyphoplastie

Kypho-IORT

Neu ist auch die intraoperative Bestrahlung eines betroffenen metastatischen Wirbelkörpers mit dem IORT-Verfahren mit anschließender Zementfestigung durch Kyphoplastie. Dabei wird zunächst für 2 bis 4 Minuten eine Strahlungsquelle direkt in den befallenen Wirbelkörper eingebracht. Nach Entfernen dieser intensiven »Blitzbestrahlung« wird der Kyphoplastie-Ballon eingeführt, der Wirbelkörper aufgerichtet und wieder mit flüssigem Zement befüllt.

Der Link zu Kypho-IORT

Vesselplastie

Wie bei der Kyphoplastie wird auch bei diesem Verfahren mechanisch ein Hohlraum im zusammengebrochenen Wirbelkörper erzeugt. Das geschieht durch das Einbringen eines ballonartigen Netzes. Dieses soll das Austreten von Knochenzement aus dem Wirbel in das umgebende Gewebe verhindern. Durch das Ballonnetz wird schließlich flüssiger Knochenzement eingespritzt.

Der Link zu Vesselplastie

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